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Wie unser Investment-Komitee entscheidet

Die meisten Gründer erfahren nie, warum ein Investor abgesagt hat. Wir machen unseren Prozess offen: was in der Sichtung zählt, wie schnell Sie hören und was ein Nein bei uns bedeutet.

Dennis Weidner··3 Min. Lesezeit

Der unangenehmste Teil des Fundraisings ist selten die Absage. Es ist die Stille davor. Wochen ohne Antwort, dann vielleicht zwei Sätze ohne Begründung, und ein Team weiß hinterher genauso wenig wie vorher.

Das lässt sich nicht ganz vermeiden, aber deutlich verbessern. Deshalb hier unser Prozess, so ehrlich wie er tatsächlich läuft.

Einmal pro Woche, gemeinsam

Alle Eingänge sammeln sich und werden einmal pro Woche gemeinsam gesichtet: Dennis Weidner und befreundete Business Angels aus einem Netzwerk, das über viele operative Jahre gewachsen ist. Das ist bewusst kein Einzelentscheid. Ein Sektor, den einer von uns nicht versteht, ist oft genau der, in dem ein anderer zehn Jahre gearbeitet hat.

Der feste Rhythmus hat einen zweiten Zweck: Er verhindert, dass Pitches liegen bleiben, bis jemand zufällig Zeit hat. Wer am Dienstag einreicht, ist in der Sichtung derselben Woche.

Was in der Sichtung tatsächlich zählt

Wir lesen kein Deck von vorne bis hinten durch, um Formfehler zu finden. Wir suchen nach vier Dingen:

Gibt es ein echtes Problem? Nicht: Ist die Idee originell. Sondern: Gibt es Menschen oder Unternehmen, die heute Geld, Zeit oder Nerven verlieren, weil es diese Lösung noch nicht gibt. Ein klar benanntes Problem schlägt eine beeindruckende Technologie ohne Adressaten.

Warum dieses Team? Uns interessiert weniger der Lebenslauf als die Frage, warum ausgerechnet diese Menschen an dieser Sache arbeiten. Ein unfairer Vorteil kann Erfahrung sein, Zugang, jahrelange Nähe zum Problem oder schlicht Besessenheit. Er sollte sich benennen lassen.

Was ist schon da? Nutzer, Umsatz, Pilotkunden, ein Prototyp, ein Warteliste. Wir erwarten in frühen Phasen keine großen Zahlen. Wir schauen darauf, wie viel ein Team aus dem gemacht hat, was es hatte.

Können wir mehr als Geld beitragen? Die Frage entscheidet oft über ein Ja oder Nein bei sonst gleicher Substanz. Wo wir Aufbau, Marke, Performance-Marketing oder Zugang einbringen können, sind wir ein besserer Partner als ein reiner Kapitalgeber.

Kurz und ehrlich schlägt lang und poliert. Wir haben noch nie jemandem abgesagt, weil das Deck zu schlicht war.

Was danach passiert

Ausgewählte Teams laden wir zu einem kurzen virtuellen Pitch ein. Kein Assessment-Center, sondern ein Gespräch: Wo steht ihr, woran hängt es, was würdet ihr mit dem nächsten Geld tun. Wir stellen dort auch die unbequemen Fragen, weil sie später ohnehin kommen.

Sie hören innerhalb von ein bis zwei Wochen von uns. Wir sagen bewusst nicht „innerhalb von 48 Stunden": Das Komitee tagt wöchentlich, und wenn wir ein Deck ernsthaft ansehen, brauchen wir manchmal eine Runde mehr. Die Zusage, die wir geben, ist die, die wir halten können.

Vier mögliche Antworten, nicht zwei

Bei den meisten Investoren gibt es Ja oder Nein. Bei uns gibt es vier Wege, und die Frage ist eher, welcher passt:

Cash für die klassische Beteiligung, meist kleinere Tickets, oft gemeinsam mit anderen Business Angels. Knowledge & Work for Equity, wenn Ihr Engpass nicht Geld ist, sondern Vermarktung und Aufbau. Wandeldarlehen als schnelle Brücke, die sich in der nächsten Runde wandelt. Und Token, wo Web3 echten Nutzen schafft.

Genau deshalb lohnt sich das Feld „Wunsch-Modell" im Formular, auch wenn Sie „offen" auswählen. Es sagt uns, was Sie gerade wirklich brauchen.

Und wenn es ein Nein wird

Dann bekommen Sie es von einem Menschen, mit Begründung. Meistens lautet sie nicht „schlechtes Unternehmen", sondern: zu früh für uns, außerhalb dessen, was wir beurteilen können, oder wir hätten hier nichts beizutragen außer Geld. Das ist keine Höflichkeitsfloskel, sondern eine nützliche Information: Ein Nein aus dem dritten Grund heißt, dass ein anderer Investor genau richtig sein kann.

Und ein Nein ist kein Urteil auf Dauer. Mehrere Gespräche, aus denen später etwas wurde, begannen mit einer Absage und einem „melden Sie sich, wenn X steht".

Schicken Sie uns Ihr Deck oder ein paar Sätze. Beim nächsten Komitee liegt es auf dem Tisch.

Dennis Weidner
Dennis Weidner
Gründer, Weidner Ventures
Dennis Weidner investiert eigenes Kapital und eigene Arbeit in digitale Ventures.

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