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Wandeldarlehen verhandeln: Wie Cap und Discount aus Sicht des Investors zustande kommen

Was ein Wandeldarlehen ist, erklären viele. Wie die Zahlen darin zustande kommen, erklärt fast niemand, der selbst zeichnet. Wir tun es: Herleitung statt Bauchgefühl, feste Klauseln statt langer Verhandlung, Beurkundung trotz Streitstand.

Dennis Weidner··5 Min. Lesezeit

Zum Wandeldarlehen gibt es gute Erklärtexte, allen voran den Startup Legal Guide von Bitkom: was Cap und Discount sind, warum das Instrument in frühen Phasen so verbreitet ist. Diesen Text müssen wir nicht noch einmal schreiben. Was fehlt, ist die Perspektive dessen, der das Papier zeichnet: Wie kommen die Zahlen zustande, worüber lässt sich reden, worüber nicht, und woran scheitert die Wandlung am Ende wirklich? Das Wandeldarlehen ist einer unserer vier Wege in eine Beteiligung, und im Knowledge-for-Equity-Modell ist es der Baustein, über den erbrachte Arbeit zu Anteilen wird. Hier steht es für sich.

Warum wir überhaupt wandeln statt direkt zu beteiligen

Der ehrliche Grund ist unromantisch: Ein Wandeldarlehen verschiebt die teuerste Diskussion der frühen Phase, die Bewertungsdiskussion, auf den Zeitpunkt, zu dem es dafür Daten gibt. Heute eine Zahl für ein Unternehmen festzulegen, das seinen Markt noch sucht, ist Raten mit Unterschrift. Die nächste ernsthafte Finanzierungsrunde liefert die Zahl, und das Darlehen wandelt dann zu genau dieser Bewertung, korrigiert um Cap und Discount. Dazu kommt, was auch Bitkom als Stärke nennt: Der Cap Table bleibt schlank, die Umsetzung ist schnell und günstig, und niemand muss für eine Brückenfinanzierung zum Notar rennen, bevor klar ist, ob die Brücke überhaupt gebraucht wird. Für unser Modell hat das Instrument noch eine zweite Aufgabe: Wenn wir mit Arbeit statt Geld einsteigen, wird die abgenommene Leistung nicht überwiesen, sondern als Darlehen stehen gelassen. Wie diese Leistung bepreist wird, steht im Artikel über die Bewertung von Arbeit gegen Anteile.

Cap und Discount: was marktüblich ist und was wir ansetzen

Der Discount belohnt, wer früh Risiko genommen hat: Er lässt das Darlehen zu einem Abschlag auf die Bewertung der nächsten Runde wandeln. Der Cap zieht eine Obergrenze ein, damit ein früher Geldgeber nicht durch den eigenen Erfolg des Unternehmens entwertet wird. So weit die Mechanik. Bei den Zahlen wird es unehrlich, und zwar branchenweit: Es kursieren Spannen für marktübliche Discounts und Caps, aber eine belastbare, öffentlich prüfbare Datenbasis für den deutschsprachigen Seed-Markt gibt es nicht. Wir nennen deshalb keine Marktspanne, die wir nicht belegen können, und misstrauen jedem, der eine nennt, ohne die Quelle zu zeigen.

Was wir stattdessen offenlegen, ist die Herleitung. Der Discount ist bei uns eine Funktion aus Zeit und Risiko: Je länger das Geld oder die Arbeit im Feuer steht, bevor die Runde kommt, desto größer der Abschlag, und er wird einmal begründet und dann nicht mehr gefeilscht. Der Cap ist keine Wunschbewertung, sondern wird aus der letzten belastbaren Zahl hergeleitet, die das Unternehmen hat: der letzten Runde, einem nachvollziehbaren Umsatzvielfachen, im Zweifel der Ersatzrechnung, was der Aufbau desselben Standes heute kosten würde. Die konkrete Zahl steht im Termsheet und wird im Gespräch hergeleitet, nicht im Blog festgelegt. Und eine Regel gilt bei uns in beide Richtungen: Wandelt unsere Arbeit, dann zu denselben Konditionen wie fremdes Geld in derselben Lage. Einen Sweat-Equity-Sonderrabatt gibt es nicht, auch nicht für uns.

Die Klauseln, über die wir nicht verhandeln (und warum das Zeit spart)

Ein Termsheet, in dem alles verhandelbar ist, kostet beide Seiten Wochen. Deshalb haben wir eine kurze Liste von Punkten, die fest sind, und sagen das im ersten Gespräch. Die qualifizierte Runde, die die Wandlung auslöst, ist präzise definiert, mit Mindestvolumen und Fristen; eine schwammige Auslöseklausel ist ein Streit mit Ansage. Gewandelt wird, was erbracht und abgenommen ist, nicht was versprochen wurde; der Leistungsnachweis mit monatlicher Abnahme ist der Kern des Modells und schützt das Team genauso wie uns. Die vollständige Aufstellung liegt vor Unterschrift bei allen Gesellschaftern auf dem Tisch, denn eine Klausel, die den Mitgesellschafter überrascht, ist in der nächsten Runde ein Problem für alle. Und das Darlehen ist als Weg in die Beteiligung gebaut, nicht als Druckmittel: Wer auf endfällige Rückzahlung als realistisches Szenario besteht, will in Wahrheit einen Kredit, und dafür gibt es Banken.

Das Nein zu Verhandlungen über diese Punkte ist kein Machtspiel. Jede dieser Klauseln ist die Antwort auf einen Konflikt, den wir vermeiden wollen, bevor er teuer wird, und die Erfahrung zeigt: Wer sie akzeptiert, unterschreibt schneller, und wer sie nicht akzeptieren will, hätte später an genau diesen Stellen gestritten. Nach welchen Kriterien wir überhaupt in ein Unternehmen gehen, steht im Artikel über die Entscheidung unseres Investment-Komitees.

Woran eine Wandlung in der Praxis scheitert

Am seltensten scheitert sie an bösem Willen. Der häufigste Fall ist schlicht: Die qualifizierte Runde kommt nicht, das Unternehmen wächst aus eigener Kraft oder gar nicht, und am Laufzeitende steht ein Darlehen, das niemand zurückzahlen kann und das nichts auslöst. Dafür braucht der Vertrag von Anfang an eine Antwort: eine Wandlung zum Laufzeitende zu einer vorab definierten Ersatzbewertung, nicht ein Verlängern in der Hoffnung, dass das Problem sich löst. Der zweite Fall sind Definitionen, die im Rückblick zwei Lesarten zulassen, von der Frage, welche Runde qualifiziert, bis zur Frage, ob Zinsen mitwandeln. Der dritte ist ein Cap Table, der über die Jahre so viele kleine Wandeldarlehen zu verschiedenen Konditionen gesammelt hat, dass die neue Runde erst einmal Archäologie betreiben muss; auch das spricht für wenige, gleich gebaute Papiere. Und der vierte ist die Form, und der ist eine eigene Überschrift wert.

Die Formfrage: warum wir beurkunden, obwohl es strittig ist

Ob ein Wandeldarlehen mit Wandlungspflicht notariell beurkundet werden muss, ist juristisch nicht abschließend geklärt; Rödl & Partner haben den Streitstand und die Praxisempfehlungen sauber aufgeschrieben. Man kann diese Unsicherheit sportlich nehmen und auf Formfreiheit setzen. Wir tun es nicht. Die Beurkundung kostet ein paar hundert Euro und einen Termin; ein Vertrag, der sich Jahre später als formunwirksam herausstellt, kostet im schlimmsten Fall die Beteiligung, auf der unser gesamtes Engagement beruht. Diese Rechnung ist so einseitig, dass wir sie nicht jedes Mal neu aufmachen. Wer mit uns ein Wandeldarlehen zeichnet, zeichnet es beim Notar, und zwar auch dann, wenn der eigene Anwalt Formfreiheit für vertretbar hält. Vertretbar ist uns an dieser Stelle zu wenig.

Wenn Sie gerade ein Wandeldarlehen auf dem Tisch haben und die Herleitung der Zahlen darin nicht sehen können: Fragen Sie danach, bei uns wie bei jedem anderen. Und wenn Sie mit uns über eines reden wollen, zeigen Sie uns, woran Sie bauen.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine unternehmerische Einordnung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Die konkrete Struktur eines Wandeldarlehens gehört immer zu Anwalt und Steuerberater; der zitierte Streitstand entspricht dem Stand August 2026.

Dennis Weidner
Dennis Weidner
Gründer, Weidner Ventures
Dennis Weidner investiert eigenes Kapital und eigene Arbeit in digitale Ventures.

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